Der Mai ist gekommen (Wanderschaft)
von Justus Lyra, 1842
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(1) Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus,
da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus.
Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt,
steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.
(2) Herr Vater, Frau Mutter, dass Gott Euch behüt‘!
Wer weiß wo, in der Ferne mein Glück mir noch blüht;
es gibt so manche Straße, die nimmer ich marschiert,
es gibt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.
(3) Frisch auf drum, frisch auf, im hellen Sonnenstrahl
wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all;
mein Herz ist wie ‘ne Lerche, und stimmet ein mit Schall.
(4) Und abends im Städtlein, da kehr ich durstig ein:
„Herr Wirt, Herr Wirt, eine Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fiedel, du lustiger Spielmann du,
von meinem Schatz das Liedl, das singe ich dazu!“
(5) Und find ich keine Herberg, so lieg ich zu Nacht
wohl unter blauem Himmel, die Sterne halten Wacht;
im Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
es küsst in der Früh das Morgenrot mich wach.
(6) O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da weht Gottes Odem so frisch in der Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt.
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